Umspannwerk Magdeburg RothenseeNach dem kleinen Hochwassereinsatz in Wülperode, wurde ich schon vom Stadtbrandmeister gefragt, ob ich mit zum Elbehochwasser in Richtung Grimma oder Halle/Saale mitkommen würde. Leider kann man nur in den seltensten Fällen von einem Tag auf den anderen zu solch einem Einsatz, der dann wahrscheinlich mehrere Tage dauert. So kam es auch, dass der Kat-Schutz Zug schon am folgenden Tag ohne mich los fuhr.
Doch von da an kribbelte es, wenn ich nur daran dachte, einmal zu einem Katastropheneinsatz zu fahren. Glücklicherweise konnten wir dann eine Hilfsaktion unserer Feuerwehr auf freiwilliger Basis organisieren, so dass es mit 6 Kameraden unserer Wehr und Kameraden der Wehren aus einigen anderen Ortschaften am Freitag, d. 07. Juni nach einem kurzen Treffen in Dardesheim in Richtung Magdeburg ging. Unser Auftrag lautete: Sicherung eines Deiches in Glindenberg.

unfreiwilliger Stopp in HalberstadtLeider verlief die Fahrt nach Glindenberg für unser Fahrzeug nicht optimal: kurz vor Halberstadt riss unser Keilriemen! Dieser konnte jedoch glücklicherweise relativ schnell vom MAN-Service repariert werden.
Ich, als Fahrer, und unser Wehrleiter blieben während der Reparatur beim Fahrzeug, während die restlichen Kameraden (unsere 4 aufgeteilt auf die anderen Fahrzeuge) schon voraus fuhren.
Mit knapp 2 Stunden Verspätung kamen wir dann in Glindenberg (kleiner Ort nördlich von Magdeburg) an. Ich muss gestehen, dass mich die Stimmung, die uns dort erwartete war schon sehr merkwürdig. Der Ort war fast verlassen, die Türen und Fenster der Häuser waren mit Sandsäcken verbarrikadiert und außer Bundeswehr und uns Feuerwehrlern war niemand zu sehen. Schon die Straße in den Ort war von der Polizei abgesperrt gewesen. Wir wurden nach ein paar netten Worten von der Bundeswehr dann zum Deich gebracht, wo wir die anderen Kameraden mit vielen ehrenamtlichen zivilen Helfern und Bundeswehrsoldaten antrafen. Unsere Aufgabe bestand darin, gefüllte Sandsäcke mit Schubkarren am Deich entlang zu bringen, damit dieser um etwa 10-20cm erhöht werden konnte. Auch hier war von Flutkatastrophe nicht viel zu sehen, lediglich das Wasser stand recht hoch am Deich. Aber keine Szenarien wie Panik oder Verzweiflung. Sondern recht gute Stimmung unter den Helfern.
Gegen 22 Uhr sind wir von dort wieder abgerückt und schlugen in der Sporthalle Wolmirstedt unser Nachtlager auf. Sehr beeindruckend waren die dort statt gefundenen Szenen. Die Bevölkerung von Wolmirstedt brachte den ganzen Abend Essen und Getränke. Dort gab es Nudeln vom Chinesen, Döner, Baguette, belegte Brötchen und Brote. Sehr bewegt hatte mich ein älterer Herr, der in seinem einfachen kleinen Beutel ein Glas Würstchen und 3 Flaschen Bier brachte.Abendessen in der Halle der FreundschaftNach einer recht kurzen Nacht ging es am nächsten Morgen nach einem kleinen Frühstück weiter zur Feuerwehr in Wolmirstedt, um dort weitere Befehle zu erhalten. Sandsäcke füllenFür uns ging es in ein nahegelegenes Kieswerk zum Befüllen von Sandsäcken. Auch hier wieder schöne Szenen: teilweise kamen ganze Schulklassen mit Schaufeln und halfen dort mit. Auch die Stimmung war super und das Wetter war es sowie so. Etwa 2 -3 Stunden später war unser kompletter Zug aus dem Harzvorland auf dem Weg in Richtung Magdeburg. Da es auf der A2 Stau gab, ergab sich für uns eine Premiere: mit Blaulicht und Martinshorn über die A2 und alle Fahrzeuge müssen eine Rettungsgasse bilden. Unvergesslich. Auch wenn es die ein oder andere knappe Situation gegeben hat.
Unser nächster Halt war im Industriegebiet von Magdeburg, vorbei an fleißigen Helfern, die auch hier Sandsäcke befüllten oder mit ihren PKW an die benötigten Orte brachten. Bei der Einsatzleitung des Bereiches (Feuerwehr Braunschweig) bekamen wir dann die Information, dass nicht weit von dort ein Umspannwerk schnellstmöglich geschützt werden wusste.Industriegebiet bei der EinsatzleitungAlso auch wieder mit Blaulicht und Martinshorn über die A2 und durch Magdeburg über rote Ampeln. In Rothensee angekommen stellten wir die Fahrzeuge ab und gingen zu Fuß die Straße hinauf in Richtung Umspannwerk. ab jetzt ging es zu Fuß weiterDie Lage erforderte es aber, dass die Fahrzeugführer wieder zurück mussten, da in Fall eines Dammbruches diese in Sicherheit gebracht werden konnten. Also war die Lage schon recht dramatisch. Auch die war die Stimmung aufgeregter als zuvor. Überall Bundeswehr mit schwimmfähigen Fahrzeugen, die im Falle eines Falles noch Leute retten konnten, Hubschrauber der Bundeswehr und der Polizei, ferngesteuerte Flugdronen, viel Feuerwehr und Kamerateams von verschiedenen Sendern.
Nach einigen Stunden wurde dann im Radio durchgegeben, dass die Menschen ihre Wohnungen in Rothensee verlassen müssen, da dieses Stadtgebiet zu Gunsten des Umspannwerkes geopfert wird. Kurz danach kamen unsere restlichen Kameraden erschöpft und mit nassen Füßen wieder. ErschöpfungUnser Einsatz war auch knapp 2 Stunden später beendet und wir konnten zurück nach Hause fahren.
Und immer wieder: viele hilfsbereite Menschen. In Rothensee gab es Eis, Kuchen, auf dem Parkplatz wurde spontan für die Helfer gegrillt.
Rückblickend kann man sagen: Es war ein guter Einsatz (schön zu sagen, ist bei einer Naturkatastrophe nicht das richtige Wort). Allein die Bilder und Eindrücke von helfenden Menschen, aber auch sehen zu müssen, wie Menschen mit Koffern und nur dem Nötigsten ihr Haus / Wohnung verlassen müssen, machten diesen Einsatz unvergesslich. Darüber hinaus fühlte es sich die meiste Zeit nicht wie ein so dramatischer Einsatz an, was sicher auch am sehr warmen Wetter, der breiten und langsam fließenden Elbe lang. Eine echte Naturkatastrophe: ja! Wie im Film? Nein!

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